Am 22. September fand im Vinoversum Poysdorf ein Informationsabend zum Thema Neophytenmanagement statt. Alexander Wagner von der MR Naturraummanagement GmbH (Maschinenring) führte rund eine Stunde lang durch die Welt der invasiven Pflanzenarten und beantwortete im Anschluss die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse des Abends.
Was sind Neophyten?
Als Neophyten bezeichnet man Pflanzen, die nach 1492, also nach der Entdeckung Amerikas, unter menschlichem Einfluss in ein Gebiet gelangt sind. In Österreich gibt es rund 1.500 solcher Arten. Die meisten wurden als Zierpflanzen, Nutzpflanzen oder für die Bienenwirtschaft eingeführt. Von diesen bereiten im Alltag nur die wenigsten wirklich Probleme.
Eine nützliche Faustregel lautet: Von 1.000 eingeschleppten Arten verwildern 100, 10 davon etablieren sich dauerhaft und nur 1 wird tatsächlich problematisch. Auf EU-Ebene stehen 114 Arten auf der sogenannten Unionsliste der invasiven Arten; 21 davon sind Pflanzen, die auch in Österreich auftreten, unter anderem Götterbaum, Drüsiges Springkraut, Riesen-Bärenklau und die Staudenknöterich-Arten.
Das Problem: Invasive Arten sind anpassungsfähig, konkurrenzstark und verdrängen heimische Pflanzen und Tiere. Manche hemmen andere Pflanzen aktiv durch Inhaltsstoffe in Boden und Wurzeln. Lässt man sie gewähren, entstehen Dominanzbestände, die kaum noch zu kontrollieren sind.
Götterbaum im Privatgarten: Was tun?
Der Götterbaum war an diesem Abend der zentrale Schwerpunkt, da er im Weinviertel besonders verbreitet ist. Eine wichtige Vorab-Information: Es besteht keine gesetzliche Pflicht, einen Götterbaum zu fällen. Verboten ist nur das aktive Ausbringen oder Einpflanzen der Art. Wer also einen Götterbaum auf seinem Grundstück hat, kann selbst entscheiden, ob und wie er vorgeht.
Was ist erlaubt, was verboten?
Einen bestehenden Götterbaum zu behalten ist legal. Verboten ist es, ihn aktiv in die Natur zu bringen oder neu einzupflanzen. Auch das Verbrennen von Schnittgut vor Ort ist nach dem Bundesluftreinhaltegesetz grundsätzlich nicht erlaubt.
Wer handeln möchte, hat im Privatbereich folgende Möglichkeiten:
- Keimlinge und kleine Pflanzen: Einmal jährlich zwischen März und August möglichst vollständig mit Wurzel ausreißen. Kontrolle im November wiederholen, zwei Jahre lang, im Folgejahr nochmals prüfen.
- Größere Exemplare: partielles Ringeln. Dabei wird die Rinde auf rund 20 cm Höhe entfernt, jedoch ein Steg von 10 bis 20 Prozent des Stammumfangs belassen. Im Folgejahr wird der Steg entfernt. Erst nach vollständigem Absterben des Baumes folgt die Fällung.
- Ailantex (ein biologisches Mittel auf Pilzbasis, das für die kommunale Bekämpfung eingesetzt wird) ist für Privatpersonen derzeit nicht erhältlich.
Wichtig: Keimlinge und Wurzelschösslinge sehen oberirdisch oft gleich aus. Sicher unterscheiden lassen sie sich nur über die Wurzeln. Im Zweifel gilt: wie einen Wurzelschössling behandeln und ganzjährig auf Neuaustriebe achten.
Weitere problematische Arten
Neben dem Götterbaum wurden weitere Arten besprochen, die im Garten oder in der Umgebung auftreten können:
- Staudenknöterich: Sehr hartnäckig. Mechanische Bekämpfung durch häufige Mahd mit vollständiger Aufnahme des Schnittguts, Abdecken mit lichtundurchlässiger Folie oder Aushub der Rhizome. Das Schnittgut darf nicht kompostiert werden.
- Ambrosia (Ragweed): Verursacht starke Pollenallergien. Früher verbreitete Ausbreitung über Vogelfutter; durch das Futtermittelgesetz gebremst. Neu: Der Ambrosia-Blattkäfer hält die Pflanze seit 2024 auch in der Steiermark in Schach.
- Drüsiges Springkraut, Riesen-Bärenklau, Goldrute, Robinie, Sommerflieder und weitere: Jeweils mit eigenen Managementanforderungen, die sich nach Standort und Bestandsgröße richten.
Richtig entsorgen
Falsch entsorgte Pflanzenreste sind eine häufige Ursache dafür, dass Neophyten sich neu ansiedeln. Samen, Rhizome, Wurzeln und Sprossfragmente können selbst nach der Entfernung noch keimfähig sein. Die wichtigsten Regeln:
- Material immer in verschließbaren Säcken transportieren, Fahrzeuge und Geräte danach reinigen.
- Privatpersonen können kleine Mengen (vor der Blüte, keine vegetativ vermehrten Arten) im eigenen Kompost entsorgen. Größere Mengen gehören in den Restmüll oder nach Rücksprache zur Grünschnittsammelstelle.
- Arten, die sich über Pflanzenteile ausbreiten (z. B. Staudenknöterich), brauchen eine professionelle Heißrotte-Behandlung. Kompostieren im eigenen Garten ist hier nicht geeignet.
- Das Verbrennen vor Ort ist nicht zulässig.
Die häufigsten Fehler
Alexander Wagner nannte eine Liste von 15 typischen Fehlern, die er in der Praxis immer wieder beobachtet. Die wichtigsten davon:
- Schnittgut liegen lassen oder in Haufen aufschichten, aus denen Samen oder Triebe austreiben können.
- Nur oberirdisch entfernen, ohne die Wurzeln zu behandeln oder nachzuverfolgen.
- Zu früh aufhören, bevor die Samenbank im Boden erschöpft ist.
- Die Quelle der Verbreitung nicht beseitigen, sodass ständig neues Material ankommt.
- Maschinen, Fahrzeuge und Schuhwerk nicht reinigen, bevor man von befallenen Flächen weiterfährt oder geht.
- Bodenaushub mit austriebsfähigem Material unkontrolliert weiterverwenden.
Das Grundprinzip lautet: Was immer du tust, tue es klug, und bedenke die Folgen. Lieber eine kleine Fläche konsequent bearbeiten als eine große nur zur Hälfte.
Was Privatpersonen tun können
Wer einen Neophyten auf dem eigenen Grundstück oder in der Umgebung entdeckt, kann diesen über Meldesysteme melden und so zur gemeinsamen Kartierung beitragen:
- Neophytenchallenge: Über die App iNaturalist Funde mit Foto und GPS-Standort eintragen unter wde.at/neophytenchallenge
- Neobiota Austria: Meldesystem des Umweltbundesamts für alle invasiven Arten.
- Ragweedfinder: Speziell für Ambrosia-Meldungen.
Wer selbst aktiv werden möchte: Handschuhe, Augenschutz und festes Schuhwerk sind bei der Bekämpfung von Neophyten wichtig. Bei Hautreizern wie dem Riesen-Bärenklau ist ein Ganzkörperschutzanzug empfehlenswert.
Bei Fragen zu Neophyten am eigenen Grund entsteht unter neophyten.wde.at/wissen.html gerade eine Wissensplattform mit Maßnahmen und Kontakten.